Wer war Johann Philipp Bronner?

Doktorarbeit zum Thema J.P. Bronner =>Uni Marburg.

Als im Jahre 1835 in Heidelberg sein Buch „Anweisung zur nuetzlichsten Anpflanzung von Tafeltrauben und anderer Traubensorten“ erschien, konnte noch niemand wissen, dass sein Name und sein Lebensmotto: „Erfasse und nuetze den Geist der Zeit!“ einmal das Leitbild einer kaufmännischen Schule prägen würden.

JP BronnerJohann Philipp Bronner wurde am 11. Februar 1792 als Sohn des Apothekers Johann Ludwig Bronner und seiner Frau Gertrud in Neckargemünd geboren. Johann Philipp trat in die Fußstapfen des Vaters und studierte in Durlach Chemie. Im Alter von dreiundzwanzig Jahren bestand Johann - Philipp sein Examen mit Auszeichnung.

Am 3. März 1816 heiratete er die Tochter des Wieslocher Apothekers Friedrich Märklin und übernahm dessen Apotheke. Als Apotheker und Naturwissenschaftler des 19. Jahrhunderts faszinierte ihn das Sammeln von Pflanzen, Insekten, Mineralien und Fossilien.

Im Jahre 1830 erwarb Johann Philipp ein 100 Morgen großes Stück Land nahe bei Wiesloch, um Weinbau zu betreiben. Dabei lag ihm besonders eine ständige Verbesserung der Weinqualität am Herzen. So schaute er anfangs den Wieslocher Winzern über die Schulter und studierte den Werdegang des Rebensaftes von der Frucht am Weinstock bis zum fertigen Wein im Fass. Damit nicht genug, reiste er auch zudem Weinbergen der Pfalz und des Rheingaus. Nachdem der Hochbegabte vorerst genügend Wissen angesammelt hatte, kultivierte Bronner auf seinem Ödland 400 Rebsorten.

Als am 2. Juni1839 auf der „Wilhelmshöhe“ ein neuer Weinberg feierlich eröffnet wurde, ehrte Markgraf Wilhelm von Baden den Weinbaupionier mit seiner Anwesenheit. Von dessen Kompetenz überzeugt, durfte Bronner nun im Auftrag der badischen Regierung zu den verschiedensten Weinbaugebieten im In - und Ausland reisen, immer auf der Suche nach Verbesserung der Weinqualität. In seinem eingangs erwähnten Buchschreibt er: „Um bei einer neuen Anlage in der Wahl der Rebsorten mit einiger Sicherheit handeln zu können, so habe ich die Reife-Zeit der vorzüglichsten Tafeltrauben angeführt, worauf dann die Pflanzung und Erziehung derselben nach bestimmten Regeln erfolgt.“

Johann Philipp Bronner verstarb am 4. Dezember 1864 in Wiesloch. „Ich sterbe gern, ich habe ein langes, reichgesegnetes Leben führen dürfen.“ waren seine letzten Worte.

Vita des Johann Philipp Bronner



JP Bronner

* 11. Februar 1792

In Neckargemünd wird dem Provisor der hiesigen Apotheke Johann Ludwig Bronner von seiner Ehefrau Gertraud, geborene Cneib ein Sohn geboren.

13. Februar 1792

Das Kind wird im Elternhaus getauft; der Taufpate war Johann Philipp Cneib aus Mannheim, welcher dem Kind den Namen Johann Philipp erteilte.

1815

Nach seinem Studium bei Staatschemiker Salzer in Durlach folgte das Staatsexamen, welches er mit Bravour bestand.

03. März 1816

Um 10 Uhr Vormittags copulierte d.h. heiratete Johann Philipp Bronner die Tochter des damaligen Wieslocher Apothekers Friedrich Märklin mit dem blumigen Vornamen Tugendfreundin.

1816

Johann Philipp Bronner übernahm kurze Zeit nach der Heirat die Apotheke seines Schwiegervaters und führte sie bis 1858.

1816-1822

Der Ehe Johann Philipp Bronners mit seiner Frau Tugendfreundin gingen vier Kinder hervor.

1826-1838

Die Bronnersche Rebschule in Wiesloch nahm in den folgenden Jahren große Ausmaße an: etwa 400 verschiedene Rebsorten wurden dort bei einem Bestand von mehreren 100.000 Weinstöcken gehalten. Auf betreiben von Johann Philipp Bronner wurde in der Hessel (Gelände des heutigen PZN) ein 100 Morgen großes Rebgelände angelegt.

1828

Noch sehr jung, mit knapp 33 Jahren verstarb Tugendfreundin Bronner.

1829

Johann Philipp heiratete die Tochter des evangelischen Pfarrers von Biebelnheim bei Alzey, Elisabetha (Lisette) Heddaeus, eine Cousine seiner verstorbenen Frau.

1830-1835

Auch dieser zweiten Ehe gingen vier Kinder hervor. Johann Philipp Bronner wohnte in dieser Zeit mit seiner Familie im Haus der Apotheke, die zunächst ihren Standort Ecke Rathaus- / Pfarrgasse, danach Ecke Hauptstraße / Pfarrgasse und zuletzt Ecke Marktstraße / Hauptstraße hatte.

1830

Durch einen Zufall, so schreibt Bronner in der Vorrede seines ersten Buches "Die Verbesserung des Weinbaus..." das 1830 erschien, konnte er in Wiesloch Ödland erwerben, auf dem er Weinbau betreiben wollte. Mit vielen Mühen und Kosten machte er das Gelände urbar, obwohl die Behandlung des Rebstockes früher nicht zum Bereich seines Wissens zählte. Trotzdem bildete sich in ihm der Grund zur besonderen Liebe für diesen Kulturzweig. Um Meister im Rebbau zu werden setzte Bronner seine Beratungen, Beobachtungen und Befragen von Winzern in Wiesloch, aber auch in der Pfalz und im Rheingau fort, führte in seiner Anlage verschiedene Schnittmethoden ein und bildete gleichsam einer Musterschule.

2. Juni 1839

Das neue Wieslocher Rebgelände wird zu Ehren des damaligen Markgrafen Wilhelm auf den Namen "Wilhelmshöhe" getauft. Markgraf Wilhelm war es auch der Johann Philipp wegen seiner Verdienste und Forschungen über den Weinbau den Titel eines "Ökonomierates" verleihen ließ. Gemäß seinem Leitspruch "Erfasse und nütze den Geist der Zeit" machte Johann Philipp Bronner - teilweise im Auftrag der Badischen Regierung - zahlreiche Reisen in verschiedene in- und ausländische Weinbaugebiete um sich weiterzubilden. Bronners Reiseziele waren neben der Pfalz, der Mosel und dem Rheingau, auch Württemberg und sogar Sachsen. Im angrenzenden Ausland besuchte er Frankreich, die Schweiz, Österreich / Ungarn und Italien. Neben dem landwirtschaftlichen Teil des Weinbaus und der Erziehung der Reben - hierbei favorisierte Bronner vor allem den so genannten "Blockschnitt" und trug maßgebend für die Verbreitung dieser Erziehungsmethode bei - lag die Verbesserung des Weinqualität dem Weinbauforscher besonders am Herzen. Wie ein Patent verkaufte Bronner hierfür die Modelle einer Schnellpresse (Spindelkelter), die er selbst entwickelt hatte, welche dann in Originalgröße nachgebaut, vor Ort die unhandlichen Baumkeltern ersetzten.

1848

Sohn Philipp übernahm das Geschäft seines Vaters und ließ das Haus der heutigen Stadtapotheke in der Hauptstraße errichten und verlagerte die väterliche Apotheke nach dorthin.

1857

Neben seiner Familie, seinem Beruf, seinen Forschungsarbeiten und Reisen fand Bronner noch Zeit, 13 Bücher und zahlreiche Fachaufsätze zu schreiben. Sein letztes Buch "Die wilden Trauben des Rheintales" stammt aus dem Jahre 1857. Doch nicht nur die Rebenpflege, auch die Rosenzucht betrieb der Wieslocher Apotheker so engagiert, daß er selbst in seinem Testament eine eigene Klausel für den Erhalt und Pflege seiner geliebten Rosen nach seinem Ableben verfügte.

04. Dezember 1864

Johann Philipp Bronner starb am 4. Dezember 1864 im Alter von 72 Jahren in Wiesloch. "Ich sterbe gerne, ich habe ein langes, reich gesegnetes Leben führen dürfen", sollen seine letzten Worte gewesen sein